BIM – Effizient & Ganzheitlich Planen

In diesem Artikel beschreibt Thomas Jäger, Architekt bei Chapman Taylor in Düsseldorf, einige grundlegende Vorteile der BIM-Methode, von denen potentiell jedes Projekt profitieren kann.

Während der Einsatz von BIM im internationalen Bereich bereits weit verbreitet ist, geht die Einführung in Deutschland nur schleppend voran. In dieser Situation ist es möglicherweise hilfreich, sich noch einmal die prinzipiellen Vorteile der Methode vor Augen zu führen, die einen grundlegenden Wandel der Baubranche bewirken kann. Einige positive Effekte sind bereits jetzt in der Praxis spürbar, andere werden sich erst in weiterer Zukunft realisieren, wenn die Methode sich allgemein etabliert hat.

BIM ist Teil der weltweiten Digitalisierung.

BIM ist nach unserer Überzeugung keine vorübergehende Modeerscheinung, sondern Teil eines grundlegenden Wandels, der weite Teile der Wirtschaft und Gesellschaft umfasst. Die Bauwirtschaft gehört zu den Branchen mit dem bisher geringsten Digitalisierungsgrad, obwohl sie in hohem Maße davon profitieren kann.

Wir stehen dem Wandel positiv gegenüber und unterstützen alle Innovationen, die die Qualität und die Wirtschaftlichkeit des Bauens erhöhen. Dabei suchen wir den Austausch mit anderen Planern, mit Bauherren und Ausführenden, sowie mit Forschung und Wissenschaft.

BIM ist für uns nicht die Zukunft, sondern Gegenwart.

Bereits seit 2012 werden alle Neubauprojekte bei Chapman Taylor auf einer einheitlichen BIM-Plattform bearbeitet. In vielen Fällen erfolgt auch schon die Zuarbeit der Fachplaner für Tragwerk und/oder TGA als BIM-Modell. So befinden sich gegenwärtig erste Projekte in Ausführung, die mit einem voll koordinierten Gesamtmodell geplant worden sind.

Durch unseren internationalen Hintergrund und den stetigen Austausch mit großen, innovativen Akteuren nehmen wir weltweite Trends besonders früh wahr. Unser BIM-Management in London und Manchester erarbeitet allgemeine Standards, die an die lokalen Bedürfnisse der einzelnen Standorte angepasst werden.

BIM führt alle Informationen an einer Stelle zusammen.

Das digitale Gebäudemodell ist wie eine Datenbank, in der alle Informationen über ein Projekt zusammengetragen und auf sinnvolle Weise miteinander verknüpft werden. Mit jedem Projektfortschritt wird das Modell um weitere Informationen ergänzt, die in vielfältiger Weise genutzt und weiterverarbeitet werden können.

Im Idealfall dient es als zentrale Informationsquelle, die den Planern, Ausführenden und künftig auch Betreibern jeweils aktuell relevante Projektdaten zur Verfügung stellt. Gemeinschaftlich vereinbarte Projekt-Standards sollten dabei sicherstellen, dass der Detaillierungsgrad und der Informationsgehalt des Modells der jeweiligen Projektphase entsprechen.

BIM fördert eine verstärkte Zusammenarbeit.

Für die gemeinsame Arbeit am digitalen Gebäudemodell ist eine besonders frühe und intensive Abstimmung zwischen den Planungsbeteiligten erforderlich. Dadurch können Herausforderungen im Planungsprozess früher erkannt, vorausschauend gelöst und kostspielige Nachbesserungen auf der Baustelle vermieden werden.

Dabei sind die Verantwortlichkeiten klar getrennt: Die Fachplaner für Fassade, Tragwerk, TGA, etc. erstellen jeweils eigenverantwortlich Teilmodelle, die zu einem Gesamtmodell integriert werden. Mittels spezieller Programme können Konflikte zwischen den Teilmodellen im Gesamtmodell identifiziert und systematisch gelöst werden.

BIM ist nicht nur ein Weg, sondern viele Wege.

Den größten Gewinn kann die BIM-Methode dann bieten, wenn das Gesamtmodell auf einem zentralen Server liegt und in Echtzeit aktualisiert wird. Auf dem Weg zu diesem BIM-Ideal sehen wir aber viele Zwischenschritte, von denen die Projektbeteiligten bereits spürbar profitieren.

Für jedes Projekt können der Modus und die Tiefe der Zusammenarbeit neu abgestimmt und an die Wünsche des Bauherrn, die Möglichkeiten der Mitwirkenden und die Projektziele angepasst werden. Dabei haben die Wirtschaftlichkeit der Planungsprozesse, sowie die Angemessenheit der Mittel für uns oberste Priorität.

BIM ist lebendig und profitiert von offenen Standards.

Für die BIM-Methode ist der dynamische Austausch von Gebäudedaten zwischen den Beteiligten essentiell. Daher setzen wir auf die Nutzung offener, herstellerübergreifender Standards wie IFC. Denn BIM ist nach unserer Erfahrung erst dann wirklich effizient, wenn Daten im Projektverlauf nicht verfälscht werden oder verloren gehen.

Auf dem Weg zu einer Standardisierung in Deutschland, die auch die Modellqualitäten, Bauteilbibliotheken und Prozesse umfasst, unterstützen wir die Ziele von internationalen Initiativen wie OPEN BIM und buildingSMART, sowie nationale und regionale Gruppen wie BIMiD, Mittelstand Digital, Innovationsforum Bauen 4.0 und BIM-Cluster NRW.

BIM betrachtet den gesamten Lebenszyklus eines Projektes.

Wenn künftig bereits in der Planungsphase der Betrieb, der Unterhalt und mögliche Umbau- und Rückbauoptionen mit in den Blick genommen werden, können wirklich werthaltige Lösungen entstehen. Das digitale Gebäudemodell ist dabei ein entscheidendes Hilfsmittel.

In jeder Phase kann das BIM-Modell einen wertvollen Beitrag leisten zur vertieften Betrachtung von Einzelaspekten und zur Prüfung oder Simulation möglicher Alternativen. Dadurch werden Planungs- und Investitionsentscheidungen künftig auf eine besonders fundierte Grundlage gestellt.

BIM verbessert Prozesse und nutzt Ressourcen effizienter.

BIM ist nach unserem Verständnis vom Wesen her nachhaltig, da es die Qualität von Planungs- und Ausführungsprozessen verbessert und einen effizienteren Ressourceneinsatz unterstützt. Zertifizierungsprozesse werden künftig beschleunigt, da entscheidende Projektparameter leichter identifiziert und frühzeitig optimiert werden können.

In der Nutzungs-, Umbau- oder Rückbauphase stellt das digitale Gebäudemodell künftig wertvolle Informationen bereit, die eine Reduktion der Emissionen im Betrieb, der Risiken im Umgang mit Schadstoffen, sowie eine Rückführung von Materialien in den Stoffkreislauf ermöglichen.

BIM bietet Mehrwerte – für einen größeren Projekterfolg.

Das digitale Gebäudemodell hilft künftig nicht nur, bisher bekannte Aufgaben effizienter zu erfüllen. Es eröffnet eine Fülle zusätzlicher Anwendungen, die dem Bauherrn, Betreiber oder Nutzer eine größere Einsicht in projektbezogene Zusammenhänge bieten und so den Projekterfolg maßgeblich positiv beeinflussen können.

Modellgestützte Simulationen können in Zukunft dazu beitragen, das Gebäude bedarfs- und zielgruppengerechter zu entwerfen, den Geschäftserfolg besser vorherzusagen und Betriebskosten zu minimieren. Schon in der Planungsphase können mögliche Alternativnutzungen geprüft und evaluiert werden, um die Investitionssicherheit zu erhöhen.

BIM ist erst der Beginn einer spannenden Entwicklung.

Zusammen mit anderen wegweisenden Technologien wie z.B. Computational Design, Virtual Reality und Künstlicher Intelligenz hat die BIM-Methode das Potential, die Art, wie Gebäude heute noch entworfen und geplant werden, fundamental zu verändern.

So kann das BIM-Modell mittels Programmierung ganz oder teilweise automatisch erstellt werden. Intelligente Algorithmen können aus einer Vielzahl möglicher Optionen diejenige Lösung herausfiltern, die funktionalen und gestalterischen Kriterien am besten entspricht.

Themen wie Vorfertigung und Modulares Bauen erhalten durch die digitalen Werkzeuge eine neue Dynamik, die individuelle und kreative Lösungen bei gleichzeitig hoher Wirtschaftlichkeit ermöglichen. Chapman Taylor setzt diese Technologien zum Teil bereits auf internationaler Ebene ein und hat das Ziel, die Entwicklung auch in Zukunft aktiv mit zu gestalten.


Über den Autor:

Thomas Jäger ist bei Chapman Taylor Düsseldorf als Projektleiter und Leiter der Kostenplanung tätig. In dieser Rolle hat er im Zuge der BIM-Einführung die modellbasierte Kostenermittlung als Standard-Methode etabliert.

Seinen Diplomabschluss in Architektur erwarb er an der Technischen Universität Braunschweig. Er hat mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Planung und Ausführung von Verkehrsbauten, Handelsimmobilien, Büros, Hotels, sowie Freizeit- und Bildungseinrichtungen.


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